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AI Total Experience  | 23 Apr 2026

SAP Joule und die Business Data Cloud

Das Kernstück des Intelligent Enterprise

Die digitale Transformation von ERP-Systemen und Unternehmensarchitekturen hat einen neuen Wendepunkt erreicht. Erfolg hängt heute von Context-Engineering ab – also der Fähigkeit, digitale Strategien und KI-Systeme so zu gestalten, dass sie die richtigen Daten, zum richtigen Zeitpunkt, im richtigen Workflow nutzen. 


Dieser Blogbeitrag fasst aktuelle Best Practices zusammen (basierend auf Erfahrungen aus Enterprise Context-Engineering und Beratung) und beleuchtet SAPs neusten Innovationen und soll Ihnen praxisnahe Impulse für die nächsten Schritte geben. 

Von der Automatisierung zur Prozessintelligenz

SAPs neueste Entwicklungen, die Business Data Cloud (BDC), nowledge Graphs und Joule, bilden gemeinsam die neue Kernarchitektur für KI im Unternehmen. Diese Architektur beeinflusst praktisch jeden zentralen Geschäftsprozess. Anstatt Automatisierung, Datenharmonisierung und Orchestrierung als getrennte Initiativen zu behandeln, liefert die neue SAP‑Systemlandschaft ein integriertes, kontextgetriebenes Fundament. Entscheidend für wirkungsvolle KI im Intelligent Enterprise. 


Führende Analysten – von Gartners Hype Cycle for Generative AI 2024 bis zu Forresters Data Fabric Overview 2025 – sind sich einig: Erfolgreiche intelligente Unternehmen verankern KI nah an den Geschäftsdaten. So schließen sie Kontextlücken und beschleunigen das Prozessmanagement. 


In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Diskussion rund um KI-Systeme grundlegend verändert. Der Fokus liegt nicht mehr darauf, zu beweisen, dass KI-Prozesse automatisiert werden können, sondern darauf, dass sie verstehen, schlussfolgern und kontextbezogen handeln kann. SAPs Antwort auf diesen Wandel ist sowohl architektonisch als auch konzeptionell. Sie vereint zwei komplementäre Innovationen: 

 

  • Joule, der KI‑Copilot, der geschäftlichen Kontext versteht 

  • SAP Business Data Cloud (BDC), das Datenfundament, das dieser Intelligenz Bedeutung, Gedächtnis und Vertrauen verleiht 

 

Zusammen ergeben sie das, was SAP die „Core Architecture of the Intelligent Enterprise“ nennt: ein Framework, in dem alle Prozesse, Daten und Interaktionen so zusammenspielen, dass das System kontinuierlich dazulernt. 


Für SAP-Kunden und -Partner heißt das, auf zukunftsweisende Technologien zu setzen – etwa die Business Data Cloud (BDC), Joule, SAP Knowledge Graphs und die neue Klasse der Relational Pretrained Transformers (RPT) 

SAP Business Data Cloud: Das Gedächtnis und die semantische Basis des Unternehmens

Die SAP Business Data Cloud ist weit mehr als ein weiteres Data Warehouse oder eine Integrationsschicht. Sie bildet das semantische und operative Herzstück von SAPs nächster Generation der KI‑Strategie. Eine cloud-native, offene und kontrollierte Datenbasis, die Anwendungen, Analytics und KI über ein einheitliches Datengewebe verbindet. 


Sie verändert den Umgang von Unternehmen mit Daten in drei zentralen Dimensionen: 

  1. Vereinheitlichung der Datenlandschaften 


    Die BDC verbindet SAP‑ und Non‑SAP‑Datenquellen – ERP, Supply Chain, HR, Procurement und Experience‑Systeme in einem einzigen logischen Datenmodell. Anstatt Daten zu replizieren, nutzt sie ZeroCopyDeltaSharing, wodurch Redundanzen entfallen und Analytics‑, ML‑ und KI‑Modelle auf live verfügbaren, konsistenten Informationen arbeiten können. 

  2. Semantische Anreicherung durch Metadaten und Knowledge Graphs 


    Daten ohne Semantik sind nur Speicher. Die BDC reichert jeden Datensatz über den SAP Knowledge Graph mit geschäftlicher Bedeutung, Beziehungen, Herkunft und Klassifikationen an. 


    Diese semantische Schicht ermöglicht es KI‑Modellen, nicht nur zu verstehen, was in den Daten steht, sondern was es im geschäftlichen Kontext bedeutet – etwa wie „Kunde“, „Rechnung“ und „Zahlung“ in einem Netzwerk interpretierbarer Fakten zusammenhängen. 

  3. Eingebettetes AI-Engineering und Modellmanagement 


    Die AI-Foundation innerhalb der BDC ermöglicht es Data-Scientists und Business Usern, KI‑Modelle direkt im SAP‑Ökosystem zu trainieren, bereitzustellen und zu operationalisieren. Sie bietet Zugriff auf über 40 Frontier und Spezialmodelle (darunter GPT‑5, Gemini, Claude Sonnet und Mistral). Alle über eine einheitliche API mit integrierter Governance, Modellwechsel und Lifecycle‑Management. 

Warum ist die BDC entscheidend und wie werden Daten zum Unternehmensgedächtnis?

In der menschlichen Kognition sorgt der Hippocampus dafür, dass Erfahrungen ins Langzeitgedächtnis übergehen und macht Lernen überhaupt erst möglich. Die BDC übernimmt diese Rolle für das Unternehmen: Sie verwandelt transaktionale Daten in organisationales Gedächtnis – semantisch, kontextreich und wiederverwendbar. 


Das hat tiefgreifende Auswirkungen auf KI: KI‑Agenten, Copilots und Analytics greifen nicht mehr nur auf Datensätze zu, sondern auf den Kontext dahinter – was Zahlen bedeuten, wie sie zusammenhängen und woher sie stammen. 


Ein Beispiel: Ein Finanzplanungsmodell in SAP Datasphere kann automatisch Umsatztreiber aus dem Knowledge Graph einordnen, sie mit Workforce-Daten aus SuccessFactors kombinieren und daraus kontextbezogene Insights für Joule ableiten – ganz ohne aufwendige manuelle Datenmodellierung. 


Das Ergebnis: Joule wird zu einer Art lebendigem Unternehmensgedächtnis, das die intelligente Ebene darüber kontinuierlich erweitert und verbessert. 

Joule: Der intelligente Copilot, der Ihr Business versteht

Joule ist SAPs bislang mutigster Schritt hin zu einer wirklich menschenzentrierten KI. Es ist weit mehr als ein Chatbot oder eine Benutzeroberfläche. Es ist eine Reasoning Engine, tief im SAP‑Ökosystem verankert und in der Lage, Rollen, Prozesse und Absichten zu verstehen. 

Was sind die zentralen Funktionen von Joule?

1. Konversationale Intelligenz 


Joule interagiert mit Anwendern über alle SAP‑Produkte hinweg, von S/4HANA und SuccessFactors über Ariba bis zu den Customer-Experience‑Plattformen. 


2. Joule arbeitet dabei in vier Modi: 

  •  Informational: Liefert wissensbasierte Antworten, z. B. zu Richtlinien, Verkaufsaufträgen oder Teaminformationen. Beispiel: „Erkläre mir, wie ich eine neue Kostenstelle anlege.“ 

  • Navigational: Führt Nutzer:innen direkt zu den gewünschten Bereichen. Beispiel: „Zeig mir das Beschaffungs-Dashboard.“ 

  • Transactional: Bietet direkten Zugriff auf SAP‑Backend‑Systeme. Nutzer:innen können CRUDOperationen direkt über Joule ausführen. Beispiel: „Erstelle eine Bestellung für Lieferant A.“ 

  • Analytical: Unterstützt analytische Abfragen im Just‑Ask‑Stil. Beispiel: „Was waren die drei wichtigsten Treiber des Umsatzwachstums im letzten Quartal?“ 

  • Alle Antworten werden in natürlicher Sprache formuliert und basieren auf echten Unternehmensdaten – nicht auf Vermutungen, sondern auf überprüfbarem Wissen. 


3. Orchestrierte Intelligenz über Systemgrenzen hinweg 


Joule beschränkt sich nicht auf Datenabfragen, es handelt über Systeme hinweg. Über die Orchestrierungsschicht kann Joule mehrere Aktionen verketten: Daten abrufen, Aufgaben ausführen und Ergebnisse an Nutzer:innen oder andere KI‑Agenten zurückspielen. 

Beispiel: Joule kann Lieferkettenanomalien analysieren, Beschaffungsprozesse in Ariba anstoßen und relevante Teams über Microsoft Teams informieren, alles durch eine einzige Anweisung. 



4. Document Grounding und Erklärbarkeit 


Joule nutzt den SAP Document Grounding AI Service und die SAP Vector Engine, um unstrukturierte Daten wie PDFs, Verträge oder Richtlinien zu durchsuchen, einzubetten und zusammenzufassen. 

Jede Antwort ist quellenverlinkt und erklärbar, ein entscheidender Vorteil für Compliance, Transparenz und Vertrauen in Enterprise‑KI. 


5. CrossFunctional AI Agents 

 
Joule orchestriert spezialisierte KI‑Agenten für: 

  • Coding 

  • Analytics 

  • Planung 

  • Storytelling 


Diese Agenten arbeiten autonom zusammen, um komplexe Aufgaben zu bewältigen, etwa Finanzprognosen zu erstellen, Visualisierungen zu generieren oder Code zu schreiben – stets im Rahmen von SAPs Prinzipien für verantwortungsvolle KI. 

Der Mehrwert: Was verändert Joule für Unternehmen?

Das Versprechen von Joule liegt in der Verbindung aus Geschwindigkeit, Genauigkeit und Vertrauen

  • Geschwindigkeit: Durch die Automatisierung repetitiver Schritte und den Wegfall komplexer Systemnavigation verkürzt Joule die Bearbeitungszeiten von Aufgaben um bis zu 80 %. 

  • Genauigkeit: Da jede Erkenntnis auf den verifizierten Daten der BDC basiert, können Anwender den Ergebnissen vertrauen, ganz ohne zusätzliche Validierung. 

  • Adoption: Direkt in SAP‑Anwendungen eingebettet, begegnet Joule den Nutzer:innen dort, wo sie ohnehin arbeiten, ohne neue Tools oder Lernkurven. 

  • Governance: Im Einklang mit den UNESCO‑Prinzipien für KI‑Ethik und SAPs Responsible‑AI‑Framework stellt Joule jederzeit menschliche Kontrolle, Datenschutz und Bias‑Reduktion sicher. 

  

Am Ende steht eine KI, die Entscheidungen nicht ersetzt, sondern sie gezielt unterstützt und verbessert. 

Wo Joule und BDC zusammenkommen: Der Intelligent‑Enterprise‑Loop

Die eigentliche Wirkung entsteht dort, wo Joule und die BDC zusammenarbeiten: Die BDC dient als langfristiges, semantisches Gedächtnis des Unternehmens, während Joule die Ebene für Analyse und Interpretation bildet. 


Gemeinsam schaffen sie einen intelligenten Kreislauf, in dem sich beide ständig gegenseitig verbessern: 

 

  1. Datenerfassung: Die BDC nimmt Unternehmensdaten auf und strukturiert sie semantisch. 

  2. InsightGenerierung: Joule interpretiert diese Daten und leitet Erkenntnisse ab. 

  3. Aktion: Joule führt Entscheidungen oder Empfehlungen aus. 

  4. Lernen: Die Ergebnisse fließen zurück in die BDC und erweitern den Kontext für die nächste Iteration. 

  

Dieser kontinuierliche Kreislauf ermöglicht es Ihrem Unternehmen, aus jeder Transaktion, jeder Entscheidung und jeder Interaktion zu lernen und mit jeder Nutzung intelligenter zu werden. 

Use Case: von Data Science zu Decision Science

Eines der überzeugendsten internen SAP‑Beispiele zeigt, wie diese Synergie Business Analytics transformiert: 

  • Ein Data Scientist nutzt die BDC und SAP Databricks, um den Cashflow der nächsten sechs Monate zu prognostizieren.  

  • Mit den integrierten LLM‑Services der AI Foundation liefert das Modell nicht nur Vorhersagen, sondern auch eine verständlich formulierte Erklärung, warum diese Ergebnisse entstehen, etwa durch Zusammenhänge zwischen Fluktuation, Umsatzveränderungen oder Lieferantenverhalten. 

  • Der angereicherte Datensatz wird automatisch im BDC-Cockpit veröffentlicht, in der SAP Analytics Cloud visualisiert und über Joule konversationsfähig gemacht. Ein:e Entscheider:in kann dann einfach fragen: „Warum sinkt unser Q3Cashflow in EMEA?“ Joule liefert innerhalb von Sekunden eine fundierte, datenbasierte Erklärung. 


Das ist der Kern von SAPs Business‑AI‑Vision: KI, die Insight, Erklärung und Aktion in einem nahtlosen Ablauf verbindet. 

Warum ist das für Consultants und Nutzer:innen wichtig?

Für Enterprise‑Berater:innen und Software-Architekt:innen bedeutet der Wandel vom digitalen zum intelligenten Unternehmen ein neues Betriebsmodell. Datenstrategie und KI‑Strategie lassen sich nicht länger getrennt betrachten, sie gehören untrennbar zusammen. 


Mit BDC und Joule können Berater:innen: 

  • AIready Datenarchitekturen mit integrierter Governance entwickeln 

  • Domänenspezifische KIAgenten bauen, die Joules Fähigkeiten erweitern 

  • Kund:innen befähigen, fragmentierte Datenlandschaften in handlungsfähige, intelligente Ökosysteme zu verwandeln 

  

Der eigentliche Beratungswert liegt darin, Organisationen zu helfen, Datenqualität, semantische Anreicherung und Prozessautomatisierung in ein einziges intelligentes Framework zu integrieren – messbar, ethisch und skalierbar. 

Ausblick: KI als neues Business Operating System

Bis Ende 2026 erwartet SAP, dass Joule in 80 % aller UnternehmensWorkflows verankert sein wird. Von Analytics über HR bis hin zu Supply Chain und Customer Experience. Gleichzeitig entwickelt sich die Business Data Cloud weiter zum AIBetriebssystem des Unternehmens – der Plattform, auf der jeder Datensatz, jedes Modell und jede Entscheidung mit Governance und Transparenz koexistiert. 


Diese Konvergenz markiert einen Wendepunkt in der Enterprise‑Technologie. Während sich digitale Transformation früher auf Prozessautomatisierung konzentrierte, wird das kommende Jahrzehnt von Prozessintelligenz geprägt sein: von Systemen, die nicht nur ausführen, sondern verstehen. 


SAP Joule und die Business Data Cloud markieren den Beginn eines neuen Kapitels der Enterprise Intelligence, das die Zuverlässigkeit strukturierter Daten mit der Agilität generativer Schlussfolgerung verbindet. Es geht nicht darum, smartere Tools zu bauen, sondern Systeme zu gestalten, die lernen, erklären und kooperieren


In einer Welt, in der Geschwindigkeit ohne Kontext gefährlich und Kontext ohne Geschwindigkeit wertlos ist, liefert SAP beides: verlässliche, erklärbare und zutiefst menschenzentrierte Intelligenz


Mit Joule und der Business Data Cloud wird das Intelligent Enterprise zu dem, was es immer sein sollte: Ein System, das wirklich mit seinen Daten denkt und auf seinen besten Praktiken aufbaut. 


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