Blinden-Tastatur
Total Experience Transformation  | 28 Apr 2026

Millionenstrafe wegen fehlender Barrierefreiheit

Präzedenzfall: Erster US Retailer wird sanktioniert

Porträt von Dorothee Haensch
Dorothee Haensch

Der US Retailer Fashion Nova musste erst kürzlich teuer für dieses Versämnis bezahlen: Der Onlineshop war nicht für Screenreader nutzbar und verstieß damit gegen den Americans with Disabilities Act (ADA). Menschen mit Behinderung reichten die Klage ein – und gewannen. Ein US-Gericht verhängte 5,15 Mio. $ Strafe gegen den Online-Händler – ein Warnsignal für Unternehmen weltweit.


Auch in Europa hat sich die Lage grundlegend verändert. Seit Juni 2025 gelten mit dem European Accessibility Act (EAA) und dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) verbindliche Anforderungen an digitale Barrierefreiheit. Unternehmen, die diese Vorgaben nicht erfüllen, riskieren nicht nur Bußgelder und rechtliche Schritte, sondern auch Reputationsverluste und Umsatzeinbußen.

Neue gesetzliche Realität in Europa

Der European Accessibility Act (EAA) und das deutsche Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) geben verbindliche Grundsätze vor. Diese betreffen eine Vielzahl digitaler Produkte und Dienstleistungen, darunter:

  • E-Commerce-Plattformen

  • Websites und mobile Anwendungen

  • Self-Service-Terminals

  • Digitale Kundenservices


Unternehmen sind nun verpflichtet, ihre digitalen Angebote so zu gestalten, dass sie für Menschen mit Einschränkungen zugänglich sind – etwa für Nutzer:innen mit Seh-, Hör- oder motorischen Beeinträchtigungen.


Die Konsequenzen bei Verstößen sind klar:

  • Bußgelder und rechtliche Sanktionen

  • Abmahnungen und Klagen

  • Reputationsschäden

  • Umsatzverluste durch ausgeschlossene Zielgruppen


Auch in Deutschland gibt es inzwischen eine zuständige Kontrollbehörde –es ist also höchste Zeit, digitale Accessibility für Ihre Services sicherzustellen. Der Fall Fashion Nova ist ein klares Warnsignal für das, was auch europäischen Unternehmen drohen kann.

Barrierefreiheit als strategischer Erfolgsfaktor

Digitale Barrierefreiheit wird oft auf das Thema Compliance reduziert. Dabei ist der reale Mehrwert viel größer, denn Unternehmen, die in digitale Barrierefreiheit investieren, profitieren auf mehreren Ebenen:


1. Zugang zu neuen Zielgruppen


Rund 87 Millionen Menschen in der EU leben mit einer Behinderung. Hinzu kommen ältere Nutzer:innen sowie Menschen mit temporären Einschränkungen. Barrierefreie Angebote erschließen somit eine enorme zusätzliche Reichweite.


2. Verbesserte User Experience für alle


Barrierefreiheit bedeutet eine klare Navigation, verständliche Inhalte und konsistente Interaktionen. Davon profitieren sämtliche Nutzer:innen – unabhängig von Einschränkungen.


3. SEO- und Performance-Vorteile


Viele Accessibility-Maßnahmen wirken sich direkt positiv auf die Auffindbarkeit in Suchmaschinen aus, etwa durch:

  • saubere semantische Strukturen

  • alternative Texte für Bilder

  • optimierte Ladezeiten


4. Stärkung der Marke


Inklusion ist ein gesellschaftlich relevantes Thema. Unternehmen, die Barrierefreiheit ernst nehmen, positionieren sich als verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert.

Typische Barrieren – und warum sie oft übersehen werden

Viele digitale Angebote scheitern nicht an großen, offensichtlichen Problemen, sondern an zahlreichen kleinen Hürden, die sich summieren:

  • Fehlende Alternativtexte für Bilder

  • Unzureichende Farbkontraste

  • Nicht zugängliche Formulare

  • Komplexe Navigation ohne klare Struktur

  • Inhalte, die nicht mit Screenreadern kompatibel sind


Diese Barrieren bleiben im Alltag oft unbemerkt – insbesondere, wenn keine systematische Prüfung erfolgt. Einen Deepdive zu den wichtigsten Schritten zu digitaler Barrierefreiheit inklusive Code Snippets finden Sie in unserem Guide.

Fazit: Handeln, bevor es teuer wird

Der Fall Fashion Nova macht deutlich, was auf dem Spiel steht: Fehlende digitale Barrierefreiheit ist kein Kavaliersdelikt mehr, sondern ein reales Geschäftsrisiko. Ein nicht nutzbarer Onlineshop führte hier nicht nur zu Frustration bei Betroffenen, sondern letztlich zu einer Klage – und zu einer Millionenstrafe.


Auch wenn dieser konkrete Fall in den USA entschieden wurde, ist die Entwicklung eindeutig: Mit den neuen gesetzlichen Vorgaben in Europa wird Barrierefreiheit zunehmend verbindlich durchgesetzt. Unternehmen, die jetzt nicht handeln, laufen Gefahr, ähnliche Konsequenzen zu erleben – rechtlich, wirtschaftlich und reputativ.


Die gute Nachricht: Wer frühzeitig in barrierefreie digitale Angebote investiert, schützt sich nicht nur vor Risiken, sondern schafft gleichzeitig bessere Nutzererlebnisse und erschließt neue Zielgruppen.


Nutzen Sie die Chance, aus Fällen wie Fashion Nova zu lernen – und machen Sie Ihre digitalen Produkte fit für die Zukunft.

Porträt von Dorothee Haensch
Dorothee Haensch

Dorothee Haensch ist seit 2023 als Senior Marketing Manager Teil der diva-e. Als Expertin für Content im Softwarebereich geht sie den Anforderungen unterschiedlicher Industrien auf den Grund und erstellt Inhalte, die Unternehmen dabei helfen, aktuelle Probleme zu lösen und zukünftige Herausforderungen zu meistern.

Alle Artikel ansehen