Digitale Angebote sollen für alle Menschen einfach nutzbar sein – unabhängig von individuellen Einschränkungen oder den verwendeten Endgeräten. Für Unternehmen ist das aber oft eine Herausforderung. Websites und Applikationen entwickeln sich oft über Jahre weiter, neue Funktionen kommen hinzu und Inhalte werden kontinuierlich ergänzt. Dabei entstehen häufig Barrieren, die im Alltag unbemerkt bleiben, für betroffene Nutzer:innen jedoch den Zugang zu wichtigen Informationen, Produkten oder Services erheblich erschweren.
Mit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) gewinnt das Thema digitale Barrierefreiheit zusätzlich an Bedeutung. Viele Unternehmen stehen vor der Frage, ob ihre Websites und Anwendungen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht.
Genau hier setzt ein professionelles Accessibility Audit an. Es schafft Transparenz über den aktuellen Stand der Barrierefreiheit, identifiziert konkrete Schwachstellen und liefert eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die weitere Optimierung – rechtlich, technisch und aus Sicht der Nutzer:innen.
Warum automatisierte Accessibility-Checks allein nicht ausreichen
Viele Unternehmen starten ihre Accessibility-Reise mit einem automatisierten Test. Moderne Prüfwerkzeuge erkennen innerhalb weniger Minuten fehlende Alternativtexte, unzureichende Farbkontraste oder fehlerhafte HTML-Strukturen. Das verschafft einen schnellen Überblick und hilft, offensichtliche Probleme frühzeitig zu identifizieren.
Barrierefreiheit umfasst jedoch weit mehr als technische Fehler.
Ob Formulare verständlich aufgebaut sind, die Tastaturbedienung reibungslos funktioniert oder Screenreader Inhalte sinnvoll interpretieren können, lässt sich nur teilweise automatisiert prüfen. Auch die Verständlichkeit von Inhalten, eine konsistente Navigation und die tatsächliche Nutzererfahrung erfordern eine manuelle Bewertung durch Accessibility-Expert:innen.
Hinzu kommt, dass sich digitale Plattformen kontinuierlich weiterentwickeln. Neue Komponenten, Kampagnenseiten oder Systemupdates können jederzeit neue Barrieren schaffen – selbst dann, wenn eine Website zuvor bereits optimiert wurde.
Ein rein automatisierter Check bildet daher nur einen Teil des Gesamtbildes. Erst das Zusammenspiel aus technischen Analysen, manuellen Prüfungen und fachlicher Bewertung ermöglicht eine realistische Einschätzung der digitalen Barrierefreiheit.
Barrieren erkennen, bevor sie zum Problem werden
Die größte Herausforderung vieler Unternehmen besteht nicht darin, digitale Barrieren zu finden, sondern zu entscheiden, welche Maßnahmen zuerst umgesetzt werden sollten. Gerade umfangreiche Websites oder komplexe Plattformen weisen häufig zahlreiche kleinere und größere Accessibility-Probleme auf. Ohne eine klare Strategie für die Optimierung besteht die Gefahr, Ressourcen an weniger relevante Themen zu binden, während kritische Einschränkungen bestehen bleiben.
Unser Accessibility Audit verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Ziel ist es nicht nur, einzelne Fehler aufzudecken, sondern die gesamte Nutzererfahrung aus der Perspektive unterschiedlicher Personengruppen zu bewerten.
Dabei orientiert sich der Check an anerkannten Standards wie den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sowie den gesetzlichen Anforderungen, die für digitale Angebote relevant sind. Neben klassischen technischen Kriterien werden unter anderem folgende Aspekte betrachtet:
Struktur und Semantik der Website
Bedienbarkeit mit Tastatur
Unterstützung von Screenreadern
Farbkontraste und visuelle Gestaltung
Formulare und interaktive Elemente
Verständlichkeit von Inhalten
Responsives Verhalten auf unterschiedlichen Endgeräten
Durch diese ganzheitliche Betrachtung entsteht ein deutlich präziseres Bild als bei einer rein automatisierten Analyse. Der große Vorteil: Sie erhalten nicht nur eine Liste einzelner Fehler, sondern verstehen auch deren Auswirkungen auf die tatsächliche Nutzung Ihrer digitalen Angebote.
Wie läuft ein Accessibility Audit ab?
Das Accessibility Audit liefert mehr als eine Momentaufnahme der digitalen Barrierefreiheit Ihrer Services. Es analysiert systematisch, an welchen Stellen Barrieren entstehen, bewertet deren Auswirkungen auf unterschiedliche Nutzergruppen und zeigt auf, welche Maßnahmen den größten Mehrwert bieten. Dabei durchläuft die Prüfung mehrere Schritte.
Schritt 1: Bestandsaufnahme
Zu Beginn werden die relevanten Webseiten, Anwendungen oder digitalen Prozesse identifiziert. Gleichzeitig wird definiert, welche Bereiche besonders kritisch sind – beispielsweise der Checkout-Prozess eines Onlineshops, Kundenportale oder Formulare. So entsteht eine belastbare Grundlage für die anschließende Analyse.
Schritt 2: Automatisierte Prüfung
Im nächsten Schritt kommen spezialisierte Prüfwerkzeuge zum Einsatz. Sie erkennen zahlreiche technische Auffälligkeiten, darunter:
fehlende Alternativtexte für Bilder
unzureichende Farbkontraste
fehlerhafte HTML-Strukturen
fehlende Formularbeschriftungen
Probleme bei Überschriftenhierarchien
Automatisierte Tests ermöglichen eine schnelle Erfassung wiederkehrender Fehler und decken häufig bereits einen großen Teil technischer Schwachstellen auf.
Schritt 3: Manuelle Expertentests
Viele Aspekte der Barrierefreiheit lassen sich nicht automatisiert bewerten. Deshalb prüfen UX-Expert:innen sämtliche relevanten Bereiche zusätzlich manuell. Dabei werden unter anderem folgende Fragestellungen untersucht:
Ist die gesamte Website vollständig per Tastatur bedienbar?
Können Screenreader sämtliche Inhalte korrekt interpretieren?
Sind Formulare verständlich aufgebaut?
Werden Fehlermeldungen eindeutig kommuniziert?
Ist die Navigation logisch und konsistent?
Lassen sich interaktive Elemente problemlos bedienen?
Erst diese Kombination aus automatisierter Analyse und manueller Bewertung ermöglicht eine vollständige Einschätzung der tatsächlichen Nutzererfahrung.
Schritt 4: Bewertung und Priorisierung
Nicht jede gefundene Barriere hat dieselbe Auswirkung auf die Nutzung einer Website. Deshalb werden sämtliche Ergebnisse hinsichtlich ihrer Relevanz bewertet und priorisiert. Kritische Probleme, die Nutzer:innen von zentralen Funktionen ausschließen, erhalten eine höhere Prio als kleinere Optimierungspotenziale. Dadurch entsteht eine klare Reihenfolge für die Umsetzung.
Schritt 5: Maßnahmenkatalog
Im letzten Schritt werden sämtliche Ergebnisse in einem strukturierten Bericht zusammengefasst. Dieser dokumentiert nicht nur alle identifizierten Barrieren, sondern enthält auch konkrete Handlungsempfehlungen für:
Entwicklung
Content
So entsteht aus einer Vielzahl einzelner Findings eine nachvollziehbare Roadmap für die schrittweise Verbesserung der digitalen Barrierefreiheit.
Fazit
Digitale Barrierefreiheit ist längst mehr als eine gesetzliche Verpflichtung. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Digital Experience und stellt sicher, dass Websites und Anwendungen für möglichst viele Menschen zugänglich sind.
Unser Accessibility Audit unterstützt Sie dabei, bestehende Barrieren systematisch zu identifizieren, ihre Auswirkungen zu bewerten und konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige Optimierung abzuleiten.
Durch die Kombination aus automatisierten Prüfungen, manuellen Expertentests und einer klaren Priorisierung entsteht eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Entwicklung, UX und Business. So werden aus einzelnen Accessibility-Problemen konkrete Verbesserungsmaßnahmen, die langfristig sowohl die Nutzererfahrung als auch die Qualität digitaler Produkte steigern.





